Auf den Spuren der Fische

Archetyp – Symbol – Totemtier

Auf den Spuren der Fische

Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle. Und sie aßen alle und wurden satt. (Markus 6,41)

Der Fisch lebt unter Wasser und kann von der Oberfläche oft nicht gesehen werden. Archetypisch steht der Fisch für die verborgene Wahrheit, die es gilt an die Oberfläche zu bringen. Diese Wahrheit verspricht Nahrung, kann aber durch die glitschige Haut des Fisches leicht wieder entgleiten.

Das Urchristentum bediente sich dieser uralten Symbolik: Ein Fisch, welcher sich aus zwei übereinander gelagerten Mondsicheln zusammensetzte war schon vorher seit Jahrtausenden das Symbol für die Urmutter, für Weisheit, Wohlstand und Fruchtbarkeit und wurde zum geheimen Erkennungszeichen der Urchristen.

Dazu kam gelegen, dass die Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch ICHTYS die Kurzfassung des christlichen Glaubensbekenntnisses widerspigelte : I = Jesus, C = Christus, TH = Theou (Gottes), Y = Yios (Sohn), S = Soter (Retter, Erlöser). Mit dem Symbol des Fisches wurde auch die Verbindung zum Wasser der Taufe und zum Leben geschaffen.

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. (Matthäus 4,18)

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Christliches Symbol – Fisch

Neben der christlichen Bedeutung hat der Kult um den Fisch viel ältere Wurzeln:

Das Alte Ägypten

Im Alten Ägypten wurden Fische kultisch verehrt. Sie waren Götter und Opfergaben an die Götter zugleich. Kugelfische galten als heilige Tiere, denn sie zeigten die kommende Nilflut an. In der Spätzeit wurden Fische häufig mumifiziert und auch bestattet. Der sogenannte Mendes-Fisch fand im gleichnamigen Ort Verehrung. Der Fisch wurde der  Göttin Hatmehit zugeschrieben, welche mit einem Welskopf dargestellt wurde oder auch als Fisch auf Amuletten. Gemeinsam mit ihrem Mann dem Widder von Mendes und Harpokrates, einem Horuskindgott, wurden Sie als Dreiheit von Mendes verehrt.

Der Tilapia Buntbarsch war in Ägypten ein wichtiges Nahrungsmittel und galt auf Grund seiner roten Färbung auch als Fruchtbarkeitssymbol. Im Ägyptischen Totenbuch erscheint er neben dem sogenannten Abdju-Fisch (ein Speisefisch, der nicht identifiziert ist) als Begleiter der Sonnenbarke des Gottes Ra und behütete das Boot vor dem Stranden und warnte vor dem Herannahen des Schlangenfeindes. Manchmal wird sogar des Sonnengott selbst als großer Abdju-Fisch bezeichnet.

Fische haben somit eine wichtige Bedeutung bei Totenritualen. Sie dienten nicht nur als Speise im Jenseits, sondern unterstützten die Seelen bei der Bewältigung von Gefahren im Jenseits. Vor allem als Symbol für die Bewegungsfähigkeit der Seele diente manchmal ein Vogel manchmal die Darstellung eines Fisches.

Der Fischkult in Ägypten gilt als sehr ambivalent. Zwar dienten den Ägyptern (vorwiegend Süßwasser-) Fische als Nahrung. Je nach Region wurden Fische mancherorts verehrt und anderenorts als unrein betrachtet und es war verboten, manche Arten aus diesen beiden Gründen zu verspeisen.

Der Nilhecht beispielsweise wurde einerseits in Abydos und Esna kultisch verehrt. Es existieren Fischfriedhöfe und es durften für den Fang keine Angelhaken verwendet werden. Derselbige Fisch galt andererseits in anderen Regionen Ägyptens als unrein, weil er sich mit weiteren anderen Fischarten an der Leiche des Totengottes Osiris vergangen und seinen Phallus verschluckt haben soll.

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Als Abdhu Fisch mumifizierte Leiche

Wer immer mich von der Sonnenbarke fernhalten wird,

der wird vom Ei und vom Abdju-Fisch ferngehalten.

(Ägypt. Totenbuch Spruch 100)

Die Griechen

Glaukos, ein griechischer Meeresgott arbeitete als Fischer und beobachtete, dass die Fische, die er auf das Ufer warft und ein besonderes Kraut berührten wieder frisch und munter wurden. Auch Glaukos aß von dem Kraut und sprang begeistert ins Meer, wo er zur Gottheit gewandelt wurde. Es war eine Blume, die ihm Unsterblichkeit verlieh.

Die ärmere Bevölkerung ernährte sich von eingepökelten Fischen. Frische Fische waren nur den Wohlhabenden vorbehalten. So wurden Fische in Mosaiken und Darstellungen als Zeichen für Wohlstand und Überfluss interpretiert. Plinius d.Ä. (24-79 n. Chr.) berichtet ausführlich über Fische, die als Heilmittel eingesetzt werden konnten, der Oktopus als Aphrodisiakum, andere als Lust hemmend oder empfängnisverhütend. Im religiösen Kult spielten Fische weniger eine Rolle.

Typhon war ein unsterblicher Riese, der dennoch alterte, was ihn zu einer unansehnlichen und grauenhaften Gestalt machte. Er war verliebt in Aphrodite, die mit ihrem Sohn Amor vor ihm flüchtete. Sie konnten sich in letzter Minute vor dem schrecklichen Riesen retten, indem sie in das Meer sprangen und sich in Fische verwandelten. Um sich nicht zu verlieren verbanden sie die Schwanzflossen mit einem Faden – die Versinnbildlichung der mütterlichen Liebe. Dieser Faden ist heute noch im Sternbild der Fische wieder zu finden.

 

Ureinwohner Amerikas

In einem Boot rettete sich Wesukkä der Chiefgott vor einer Flut, die andere maliziöse Halbgötter angerichtete hatten, um ihn zu bewältigen. Nach einigen Tagen auf seinem Boot, schickte er den größten Fisch los um an den Wassergrund zu schwimmen und Erde zu bringen, damit das Land erschaffen werde, das seine roten Kinder heute noch bewohnen.

Der Fisch gilt in Nordamerika als Totemtier und ist ein Symbol für das verborgene Wissen. Die Ojibwe assoziieren Fisch im Allgemeinen mit langem Leben und Weisheit. Der Fisch diente vor allem bei Fischerstämmen als Grundnahrungsmittel und war ähnlich heilig wie der Büffel. Besonders der Lachs wurde verehrt und begründete zahlreiche Riten.

Fische tauchen in der Mythologie als besondere Tiere auf: als Riesenfische, als Monster und dienen einigen Stämmen (Ojibwe, Creek, Chickasaw und Ho-Chunk) als Clantiere. Einige östliche Stämme (Lenape, Caddo und Irokesen) haben ebenso wie einige südamerikanische Indianer einen Fischtanz, der zu Fruchtbarkeitszwecken getanzt wird.

Auf den Spuren des Fisches
Auf den Spuren der Fische

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