Der vergessene Dritte

 

Wie faul uns kranke Geschäfte machen.

Die meisten von uns bezahlen ihre Rechnungen. Mit dem Akt des Bezahlens entsteht ein stabiler Ausgleich. Wir bekommen etwas und wir geben etwas. Bei einem stimmigen Ausgleich gehen alle Beteiligten zufrieden und bereichert aus der Situation. Das ist Leben, das ist Lebendigkeit.
Was aber, wenn der Ausgleich nicht stimmt? Was passiert, wenn wir auf Beteiligte vergessen? Aus der Volkswirtschaftslehre kennen wir dieses Phänomen unter dem Namen „externer Effekt“. Dabei werden Vorteile genutzt, für die ein Dritter, der scheinbar unbeteiligt ist, einen mitunter hohen Preis bezahlt.

Die Profigier treibt Unternehmen und Konzerne dazu, nach diesen Effekten systematisch zu suchen und diese zu Geld zu machen.
Würden wir beispielsweise in den billigen Atomstrom die Kosten der Endlagerung der verbrauchten Brennstäbe inklusive aller möglichen Risiken miteinrechnen, könnten wir uns Strom aus Atomkraft überhaupt nicht leisten.
Würden wir bei jedem Auto die Kosten, die für die Klimaerwärmung (Überschwemmungen, Dürrekatastrophen) miteinrechnen, könnten wir uns soviele Fahrten mit dem Auto gar nicht leisten.

Den Preis dafür bezahlt scheinbar jemand anderer: die Gesellschaft, die nächste Generation, auf jeden Fall scheinen wir davon zu profitieren.

Wer billig kauf, kauft teuer.

Seit der Industrialisierung wurde durch die Idee der Teilung und Trennung den Entstehungsprozessen jener Dinge, die wir brauchen, die Seele geraubt. Es entstehen billige Produkte, tote Materie, die wir aus anderen Ländern oft quer über den Globus verschieben. Den wahren Preis bezahlen andere Regionen der Erde. Wir sehen oft nicht, dass wir damit zu Ausbeutern und zu Verbündeten der Profitgier werden.

Und tief in uns spüren wir, dass dieser Ausgleich nicht stimmt. Das macht uns krank. Wir schneiden uns vom Leben ab. Und wir merken das erst spät weil wir meinen, dass all die Konsequenzen, die uns treffen, nichts damit zu tun haben.

Wer ist der vergessene Dritte?

Können wir wirklich verantworten, dass jemand anderer, ein scheinbar unbeteiligter Dritter den Preis bezahlt? Der unbeteiligte Dritte: Das sind die nächsten Generationen, unsere Kinder. Das sind die Arbeiter aus den Fabriken, die ohne Rechte, ohne Gewerkschaft, ohne geeignete Schutzausrüstung für uns täglich schuften, weit weg in fernen Ländern. Das sind Flüchtlinge, die vor den Toren Europas stehen, und für unsere Stabilität den vollen Preis bezahlen. Das ist Mutter Erde, die gesamte Ökologie, die sich mit dem Wandel des Klimas dagegen wehrt.

Und das sind: Wir selbst! Weil es soetwas wie Trennung nicht gibt. Wir sind verbunden mit der nächsten Generation, mit den Arbeitern, mit den Flüchtlingen, mit Mutter Erde. Und das spüren wir. Wir werden krank, weil wir uns damit selbst krank machen. Der Ausgleich ist nicht mehr lebendig, nicht mehr zufriedenstellend und bereichernd für alle Beteiligten. Wir werden krank, weil wir uns selbst nicht mehr in den Spiegel schauen können und wollen. Tief in uns wissen wir das.

Was tun?

Decken wir kanke Geschäfte auf. Verbinden wir uns wieder mit dem Leben, entschleunigen wir unser Konsumverhalten, spüren wir hin, fragen wir nach, schauen wir hin, damit wir selbst uns wieder in den Spiegel schauen können. 

Beginnen wir damit, selbst herzustellen, was wir brauchen, um den Dingen wieder Seele einzuhauchen.

Verbinden wir uns wieder mit allem Lebendigen und spüren wir die Schönheit des großen Ganzen.

Fördern wir einen gesunden Ausgleich, der uns wieder lebendig macht und zu wahrem Reichtum führt. Für alle, für das Leben.